1. Einführung: Warum PIM-Systeme heute unverzichtbar sind
In unserem Whitepaper erhalten Sie fundierte Einblicke in zentrale Themen rund um die Auswahl und Einführung moderner PIM-Systeme. Wir beleuchten bewährte Methoden zur Anforderungsanalyse, evaluieren relevante Technologien und geben praxisnahe Best Practices weiter, mit denen Sie Ihre Produktdatenprozesse zukunftssicher aufstellen.
Durch strukturierte Vorgehensmodelle, konkrete Handlungsempfehlungen und echte Projekteinblicke unterstützen wir Sie dabei, Ihre Entscheidungsgrundlage zu stärken und komplexe PIM-Projekte zielgerichtet umzusetzen.
Die Verwaltung von Produktdaten ist für viele Unternehmen eine der groessten Herausforderungen der Digitalisierung. Verteilte Datenquellen, gewachsene Systemlandschaften und uneinheitliche Prozesse bremsen nicht nur die Time-to-Market, sondern führen auch zu Inkonsistenzen in der Kommunikation mit Kunden, Händlern und Partnern. Ein Product Information Management System (PIM) schafft hier die nötige Struktur und bildet das zentrale Rückgrat für alle produktbezogenen Prozesse.
2. Von Excel zu klaren Strukturen: Die Ausgangslage
Viele Unternehmen verwalten ihre Produktdaten noch immer in Excel-Tabellen, verteilten Datenbanken oder historisch gewachsenen ERP-Systemen. Diese Ansätze funktionieren bei kleinen Sortimenten, stossen aber bei wachsenden Anforderungen schnell an Grenzen. Typische Symptome sind redundante Datenhaltung, fehlende Versionierung, manuelle Pflegeprozesse und eine hohe Fehlerquote bei der Publikation in verschiedene Kanäle.
Der erste Schritt zu einer besseren Produktdatenverwaltung ist eine ehrliche Bestandsaufnahme: Wo liegen die Daten heute? Wer pflegt sie? In welcher Qualität? Wie gelangen sie in die verschiedenen Ausgabekanäle? Diese Transparenz ist die Grundlage jeder erfolgreichen PIM-Strategie.
Besonders im B2B-Umfeld, wo Produkte häufig über komplexe technische Attribute, Varianten und Zertifizierungen verfügen, ist eine strukturierte Datenhaltung essentiell. Falsche oder unvollständige Produktdaten führen nicht nur zu Retouren und Kundenbeschwerden, sondern auch zu Vertrauensverlust und letztlich Umsatzeinbussen.
3. Anforderungsanalyse: Den Bedarf systematisch ermitteln
Die Anforderungsanalyse ist das Fundament jedes erfolgreichen PIM-Projekts. Sie entscheidet darüber, ob das später gewählte System tatsächlich zu den Bedürfnissen des Unternehmens passt oder ob teure Nacharbeiten erforderlich werden. Eine strukturierte Vorgehensweise umfasst dabei mehrere Phasen:
Stakeholder-Interviews und Prozessaufnahme
Zunächst müssen alle relevanten Stakeholder identifiziert und befragt werden. Dazu gehören nicht nur die Produktdaten-Teams, sondern auch Marketing, Vertrieb, eCommerce, Einkauf und IT. Jede Abteilung hat spezifische Anforderungen an die Produktdaten: Marketing benötigt emotionale Beschreibungen und hochwertige Medien, der Vertrieb braucht technische Spezifikationen und Preislisten, der eCommerce-Bereich erwartet strukturierte Attribute für Filter und Suche.
In Workshops und Einzelgesprächen werden bestehende Prozesse dokumentiert, Schmerzpunkte identifiziert und Wunsch-Workflows skizziert. Dabei ist es wichtig, nicht nur den Ist-Zustand zu erfassen, sondern auch künftige Anforderungen zu antizipieren: Sind internationale Märkte geplant? Wird das Sortiment erweitert? Sollen neue Kanäle wie Marktplätze bedient werden?
Datenmodell und Attributstruktur
Ein zentrales Ergebnis der Anforderungsanalyse ist die Definition des Datenmodells. Dieses beschreibt, welche Produktattribute verwaltet werden müssen, wie sie strukturiert sind und welche Abhängigkeiten bestehen. Ein gut durchdachtes Datenmodell ist der Schlüssel zu einer effizienten Datenpflege und einer hohen Datenqualität.
Typische Fragestellungen sind: Welche Attribute sind pflichtmässig, welche optional? Wie werden Varianten und Bundles abgebildet? Welche Medientypen (Bilder, Videos, Dokumente) müssen verwaltet werden? Wie werden mehrsprachige Inhalte gehandhabt? Die Antworten auf diese Fragen bestimmen massgeblich die Anforderungen an das PIM-System.
4. Systembewertung: Das richtige PIM finden
Nachdem die Anforderungen klar definiert sind, beginnt die Evaluierung potenzieller PIM-Systeme. Der Markt bietet eine Vielzahl von Lösungen, die sich in Funktionsumfang, Architektur, Preismodell und Zielgruppe erheblich unterscheiden. Eine systematische Bewertung ist daher unabdingbar.
Bewertungskriterien
- Funktionaler Fit: Deckt das System die ermittelten Anforderungen ab? Gibt es Lücken, die durch Customizing geschlossen werden müssen?
- Technische Architektur: Cloud-native vs. On-Premise, API-first vs. monolithisch, Skalierbarkeit und Performance
- Integrationsmöglichkeiten: Wie gut lässt sich das PIM mit bestehenden Systemen (ERP, eCommerce, DAM, CMS) verbinden?
- Usability: Ist die Benutzeroberfläche intuitiv genug für die täglich arbeitenden Teams?
- Total Cost of Ownership: Lizenzkosten, Implementierungsaufwand, Betrieb und Wartung über den gesamten Lebenszyklus
- Vendor-Stabilität: Wie zukunftssicher ist der Anbieter? Gibt es eine aktive Community und regelmässige Weiterentwicklung?
- Referenzen und Branchenexpertise: Hat der Anbieter Erfahrung in der eigenen Branche?
Shortlist und Proof of Concept
Aus der Bewertung ergibt sich eine Shortlist von typischerweise 2-3 Systemen, die in einer vertieften Evaluation näher betrachtet werden. Ein bewähertes Instrument ist der Proof of Concept (PoC), bei dem das System mit echten Daten und realen Use Cases getestet wird.
Im PoC zeigen sich oft Unterschiede, die in Produktpräsentationen und Demoversionen nicht sichtbar werden: die tatsächliche Performance bei grossen Datenmengen, die Qualität der Import-/Export-Funktionen, die Flexibilität des Datenmodells und die Reaktionsgeschwindigkeit des Supports. Diese Erkenntnisse fliessen in die finale Entscheidungsvorlage ein.
5. Datenarchitektur: Das Fundament für Qualität
Ein PIM-System ist nur so gut wie die Daten, die es verwaltet. Die Konzeption einer tragfähigen Datenarchitektur ist daher ein eigenständiger, kritischer Arbeitsschritt. Sie definiert nicht nur die Struktur der Produktdaten, sondern auch die Prozesse für Datenpflege, Qualitätssicherung und Distribution.
Zentrale Aspekte der Datenarchitektur umfassen: die Definition von Datenobjekten und deren Beziehungen, die Festlegung von Qualitätsregeln und Validierungen, die Steuerung von Workflows (z.B. Freigabeprozesse), die Anbindung an Quell- und Zielsysteme sowie die Strategie für Datenmigration aus Altsystemen.
Zentrale vs. dezentrale Datenpflege
Eine wichtige strategische Entscheidung betrifft das Steuerungsmodell: Sollen Produktdaten zentral von einem spezialisierten Team gepflegt werden, oder übernehmen dezentrale Einheiten (z.B. Produktmanager in verschiedenen Geschäftsbereichen) die Verantwortung?
Beide Ansätze haben Vor- und Nachteile. Zentrale Pflege gewährleistet höhere Konsistenz und Qualität, kann aber zum Engpass werden. Dezentrale Pflege ist schneller und näher am Produkt, birgt aber das Risiko von Inkonsistenzen. In der Praxis hat sich ein hybrides Modell bewährt: Zentrale Teams definieren Standards und überwachen die Qualität, während dezentrale Einheiten die fachspezifischen Inhalte beisteuern.
Datenmigration: Der unterschätzte Erfolgsfaktor
Die Migration bestehender Produktdaten in ein neues PIM-System ist regelmässig einer der aufwendigsten und risikoreichsten Teile des Projekts. Typische Herausforderungen sind: unterschiedliche Datenformate und -strukturen, fehlende oder veraltete Attributwerte, inkonsistente Klassifikationen und unklare Datenhoheit.
Eine erfolgreiche Datenmigration erfordert eine frühzeitige Planung, eine gründliche Datenbereinigung vor der Migration und ausführliche Tests. Automatisierte Mapping-Tools können den Prozess beschleunigen, ersetzen aber nicht die fachliche Prüfung. Planen Sie für die Datenmigration ausreichend Zeit und Ressourcen ein - sie wird häufig unterschätzt.
6. Implementierungs-Roadmap: Vom Plan zur Realität
Die Implementierung eines PIM-Systems ist ein Projekt, das typischerweise mehrere Monate in Anspruch nimmt. Eine realistische und detaillierte Roadmap ist entscheidend für den Projekterfolg. Wir empfehlen einen phasenbasierten Ansatz:
- 1Phase 1 - Foundation (4-6 Wochen): Technisches Setup, Datenmodell-Definition, Konfiguration der Grundstrukturen und initialer Datenimport
- 2Phase 2 - Core (6-8 Wochen): Implementierung der Kern-Workflows, Anbindung an Quellsysteme (ERP, DAM), Einrichtung von Qualitätsregeln und Freigabeprozessen
- 3Phase 3 - Integration (4-6 Wochen): Anbindung an Zielsysteme (eCommerce, Marktplätze, Print), Automatisierung der Datenpublikation, Einrichtung von Monitoring
- 4Phase 4 - Go-Live und Optimierung (fortlaufend): Pilotbetrieb mit ausgewählten Produktgruppen, schrittweise Erweiterung, Schulungen und kontinuierliche Verbesserung
Erfolgsfaktoren der Implementierung
- Executive Sponsorship: Ein PIM-Projekt benötigt Rückendeckung aus der Geschäftsführung, da es abteilungsübergreifende Prozessveränderungen mit sich bringt.
- Dediziertes Projektteam: Stellen Sie ein Team zusammen, das sowohl fachliche als auch technische Kompetenz vereint.
- Change Management: Beziehen Sie die zukünftigen Anwender früh ein und investieren Sie in Schulungen.
- Iteratives Vorgehen: Planen Sie in Sprints und priorisieren Sie die wichtigsten Use Cases zuerst.
- Datenqualität als KPI: Messen Sie die Datenqualität von Beginn an und definieren Sie klare Qualitätsziele.
7. Wirtschaftlicher Nutzen: Investitionssicherheit und Effizienz
Ein durchdachtes PIM-Projekt reduziert manuelle Aufwände, beschleunigt die Time-to-Market und verbessert die Datenqualität nachhaltig. Die Investition in ein PIM-System zahlt sich durch mehrere Effekte aus:
Zeitersparnis: Automatisierte Prozesse und zentrale Datenhaltung reduzieren den manuellen Pflegeaufwand um typischerweise 30-50 %. Produktmanager können sich auf wertschöpfende Tätigkeiten konzentrieren, statt Daten in verschiedene Systeme zu kopieren.
Qualitätssteigerung: Validierungsregeln und Freigabe-Workflows stellen sicher, dass nur geprüffte und vollständige Produktdaten publiziert werden. Dies reduziert Retouren und steigert die Kundenzufriedenheit.
Schnellere Time-to-Market: Neue Produkte können deutlich schneller in allen Kanälen verfügbar gemacht werden. In der Praxis berichten Unternehmen von einer Reduktion der Time-to-Market um 40-60 %.
Skalierbarkeit: Mit einem PIM-System lassen sich problemlos neue Märkte, Sprachen und Kanäle erschliessen, ohne die Komplexität der Datenverwaltung proportional zu erhöhen.
8. Einsatzszenarien: Wann sich ein PIM-Projekt lohnt
Ein PIM-System bietet klare Vorteile, besonders bei wachsenden Anforderungen. Typische Trigger für ein PIM-Projekt sind:
- Internationale Expansion: Mehrsprachige Produktinformationen für verschiedene Märkte müssen konsistent und effizient verwaltet werden.
- Komplexe Sortimente: Produkte mit vielen Varianten, technischen Attributen und Abhängigkeiten erfordern eine strukturierte Verwaltung.
- Kanalübergreifender Content: Wenn Produktdaten in Online-Shop, Marktplätze, Print-Kataloge und POS-Systeme gleichzeitig ausgespielt werden sollen.
- Qualitätsprobleme: Häufige Beschwerden über fehlerhafte Produktinformationen oder inkonsistente Darstellungen in verschiedenen Kanälen.
- Wachstum: Steigende Produktzahlen oder die Anbindung neuer Lieferanten und Partner erfordern skalierbare Prozesse.
- Compliance-Anforderungen: Regulatorische Vorgaben (z.B. REACH, CE-Kennzeichnung) erfordern eine lückenlose Dokumentation von Produktattributen.
9. Best Practices: So gelingt die Auswahl
Basierend auf unserer Erfahrung aus zahlreichen PIM-Projekten empfehlen wir folgende Best Practices für die Systemauswahl:
- Starten Sie mit den Anforderungen, nicht mit dem Produkt: Lassen Sie sich nicht von Feature-Listen blenden, sondern prüfen Sie systematisch, ob das System zu Ihren spezifischen Bedürfnissen passt.
- Beziehen Sie alle Stakeholder ein: Ein PIM-System betrifft viele Abteilungen. Nur wenn alle relevanten Perspektiven berücksichtigt werden, entsteht eine tragfähige Lösung.
- Denken Sie an die Integration: Ein PIM-System steht nie allein. Prüfen Sie früh, wie die Anbindung an Ihre bestehende Systemlandschaft funktioniert.
- Planen Sie realistisch: PIM-Projekte sind Transformationsprojekte. Planen Sie ausreichend Zeit, Budget und Ressourcen ein.
- Investieren Sie in die Datenmigration: Die Migration bestehender Daten ist oft der kritischste Pfad. Beginnen Sie früh mit der Bereinigung und dem Mapping.
- Setzen Sie auf einen erfahrenen Implementierungspartner: Die richtige Beratung kann den Unterschied zwischen Projekterfolg und -scheitern ausmachen.
10. Fazit und Ausblick
Die Auswahl und Einführung eines PIM-Systems ist eine strategische Investition, die weit über ein reines IT-Projekt hinausgeht. Sie betrifft Prozesse, Organisation und Datenkultur gleichermassen. Wer die Anforderungsanalyse gründlich durchführt, die Systemauswahl systematisch angeht und die Implementierung strukturiert plant, legt das Fundament für eine produktive und skalierbare Datenarchitektur.
Mit der zunehmenden Bedeutung von KI-gestützter Produktbeschreibung, automatisierter Datenveredelung und dynamischer Kanalsteuerung werden PIM-Systeme in den kommenden Jahren noch wichtiger. Unternehmen, die jetzt die richtige Grundlage schaffen, sind bestens positioniert, um diese Chancen zu nutzen.
Smart Commerce SE unterstützt Sie als erfahrener Partner bei jedem Schritt: von der initialen Anforderungsanalyse über die Systemevaluation bis hin zur Implementierung und dem laufenden Betrieb. Mit unserer Expertise in eCommerce-Plattformen und Datenarchitektur sorgen wir dafür, dass Ihr PIM-Projekt zum Erfolg wird.



