Ich bin Designerin. Keine Entwicklerin. Und trotzdem hat sich mein Arbeitstag in den letzten sechs Monaten stärker verändert als in den zehn Jahren davor. Der Grund: Wir haben unseren gesamten Design-Workflow auf einen AI-first-Ansatz umgestellt – mit zwei Tools, die zusammen etwas ermöglichen, was vorher undenkbar war.
Das alte Problem: Die Übergabe-Lücke
Jede Designerin kennt das Gefühl: Du investierst Tage in einen Entwurf, definierst jeden Abstand, jede Farbnuance, jede Interaktion – und dann kommt die Entwicklung und baut etwas, das „ungefähr so“ aussieht. Nicht aus Böswilligkeit, sondern weil die Übersetzung von visuellem Design in Code immer verlustbehaftet war.
Figma hat das verbessert. Dev Mode, Auto Layout, Design Tokens – alles Schritte in die richtige Richtung. Aber am Ende bleibt ein fundamentaler Bruch: Das Design lebt in der Cloud, der Code im Repository. Zwei Welten, zwei Sprachen, zwei Mental Models. Jede Änderung muss manuell übersetzt werden.
Pencil: Design-Dateien gehören ins Repository
Pencil ist ein Design-Tool, das direkt in der IDE läuft – in VS Code oder Cursor. Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein schlankes Figma: Vektor-Canvas, Auto-Layout, Komponenten-System. Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied.
Design-Dateien werden als .pen-Dateien im Git-Repository gespeichert. Nicht in einer separaten Cloud. Nicht als Screenshot oder Export. Sondern als versionierte Datei, die sich branchen, mergen und differn lässt – genau wie Code. Für mich als Designerin war das zunächst ungewohnt. Für die Zusammenarbeit mit Entwickler:innen war es ein Gamechanger.
Was Pencil anders macht
- Git-native: Design-Dateien leben im selben Repository wie der Code
- IDE-Integration: Kein Tool-Wechsel zwischen Design und Entwicklung
- Figma-kompatibel: Copy-Paste aus Figma übernimmt Layer, Auto-Layout und Styles
- MCP-Architektur: Gebaut für KI-Integration von Tag eins – nicht nachträglich angebaut
- Semantische Layer: Benennungen und Annotationen werden direkt von der KI gelesen
Claude Code: Der Übersetzer zwischen Design und Production
Der eigentliche Wow-Moment kommt durch die Kombination mit Claude Code. Pencil stellt über das Model Context Protocol (MCP) eine Brücke bereit: Claude Code kann den Canvas direkt lesen – Abstände, Farben, Typografie, Komponentenhierarchie. Nicht als Bilddatei, die interpretiert werden muss, sondern als strukturierte Daten.
In der Praxis heißt das: Ich gestalte eine Komponente in Pencil, benenne die Layer sinnvoll, füge Annotationen für Interaktionen und Responsive-Verhalten hinzu. Dann sage ich Claude Code: "Bau diese Komponente als React-Component mit CSS Modules." Und Claude liefert Code, der mein Design pixelgenau umsetzt – inklusive Hover-States, responsive Breakpoints und Accessibility-Attribute.
Unser Workflow in 4 Schritten
1. Konzept in Figma oder Pencil
Für explorative Konzeptphasen nutzen wir weiterhin Figma – die Multiplayer-Features und das Plugin-Ökosystem sind unschlagbar für Teamarbeit. Für komponentenbasierte Arbeit starten wir direkt in Pencil. Figma-Designs lassen sich per Copy-Paste in Pencil übernehmen, Layer und Auto-Layout bleiben erhalten.
2. Semantische Layer und Annotationen
Der wichtigste Schritt – und der, den viele unterschätzen. Je besser die Layer benannt und annotiert sind, desto besser wird der generierte Code. „Container“ ist nutzlos. "ServiceCard_hover_expanded" ist Gold. Ich investiere 5 Minuten in Benennung und spare 2 Stunden Korrekturrunden.
3. Claude Code generiert Komponenten
Claude Code liest den Canvas über MCP-Tools wie get_canvas_context, get_selected_frames und get_style_guide. Es versteht nicht nur das visuelle Layout, sondern auch die Design-Tokens und die Komponentenhierarchie. Der Output ist Framework-spezifischer Code – bei uns React mit CSS Modules und unseren eigenen Design-Tokens.
4. Review und Iteration
Der generierte Code ist kein Prototyp – er ist Production-ready. Trotzdem reviewen wir jede Komponente: Stimmen die Abstände? Funktioniert die Animation? Ist die Accessibility korrekt? Anpassungen mache ich oft direkt im Pencil-Canvas, Claude Code aktualisiert den Code. Keine Spec-Dokumente, keine Jira-Tickets für Pixel-Korrekturen.
Ich habe nicht das Gefühl, dass KI meinen Job übernimmt. Ich habe das Gefühl, dass ich endlich den Job machen kann, für den ich eigentlich eingestellt wurde: Gestalten. Nicht dokumentieren, nicht spezifizieren, nicht Pixel-Korrekturen nachverfolgen.
Marika Rauch, Senior Art Director
Was sich für uns verändert hat – in Zahlen
| Metrik | Vorher | Nachher |
|---|---|---|
| Design-to-Code-Zeit pro Komponente | 4 – 8 Stunden | 30 – 60 Minuten |
| Korrekturrunden nach Übergabe | 2 – 4 Runden | 0 – 1 Runden |
| Design-Spezifikationen erstellen | 20 % meiner Zeit | 0 % |
| Kreative Gestaltungszeit | 40 % meiner Zeit | 75 % |
Durchschnittswerte aus 3 Monaten Pencil + Claude Code Workflow
Für wen eignet sich dieser Ansatz?
- Kleine bis mittlere Teams, die Design und Entwicklung eng verzahnen
- Komponentenbasierte Design-Systeme mit klaren Tokens
- Projekte mit hoher Iteration – Startups, MVPs, Relaunches
- Teams, die bereits mit Claude Code oder Cursor arbeiten
- Große Design-Teams mit komplexen Multiplayer-Workflows (Figma bleibt hier stärker)
- Print- oder Branding-Projekte ohne Code-Output
- Organisationen mit strikter Tool-Standardisierung auf Adobe oder Figma
- Projekte, in denen Design-Exploration wichtiger ist als Design-to-Code-Effizienz
Fazit: Die Zukunft des Designs ist hybrid
AI-first Design bedeutet nicht, dass Designer:innen überflüssig werden. Es bedeutet, dass die langweiligste Phase unserer Arbeit – die Übersetzung von Entwurf in Spezifikation in Code – wegfällt. Was bleibt, ist das, was KI nicht kann: kreative Entscheidungen treffen, Markenidentität verstehen, Nutzerbedürfnisse in visuelle Lösungen übersetzen.
Pencil und Claude Code sind keine Konkurrenz zu Figma. Sie sind die Brücke, die zwischen Design und Code gefehlt hat. Für uns bei Smart Commerce ist dieser Workflow inzwischen Standard – und ich kann mir nicht vorstellen, jemals wieder „normale“ Design-Specs zu schreiben.
Wenn Sie als Agentur oder Entwicklungsteam Ihren Design-to-Code-Workflow beschleunigen wollen, sprechen Sie uns an. Wir teilen unsere Erfahrungen gerne – inklusive der Stolpersteine, die wir auf dem Weg dorthin aus dem Weg geräumt haben.
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