KI-Funktionen sitzen heute auf Plattformen. Wer eine Plattform mit KI baut oder eine bestehende KI-ready macht, braucht Plattformbau-Erfahrung. Ensinger hat uns 2024 in eine Systemauswahl gesetzt. Heute tragen commercetools und Pimcore die Plattform für 2.700 Mitarbeiter:innen an 34 Standorten. Was wir dabei über Anforderungen, Anbietervergleich und Healthchecks lernen mussten, fließt in jede Plattform, die wir KI-ready bauen.
Diese Story ist keine KI-Story. Sie ist eine Plattform-Story. Sie steht hier, weil Plattform-Disziplin die Basis ist, auf der KI-Funktionen verlässlich laufen. Modelle sind austauschbar. Architektur entscheidet.
Ausgangslage.
Die Ensinger Gruppe ist ein Familienunternehmen für technische Kunststoffe. Compounds, Halbzeuge, Composites, Fertigteile, Profile. Gegründet 1966, heute 2.700 Mitarbeiter:innen an 34 Fertigungs- und Vertriebsstandorten weltweit, 616 Mio. Euro Umsatz. Abnehmer in Maschinen- und Anlagenbau, Bauindustrie, Automobil, Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt, Elektrotechnik.
Die Produktpalette deckt Katalogware, individuelle Zuschnitte und Sonderfertigung ab. Die Vertriebsstruktur ist über viele Unternehmenssparten gewachsen, jede mit eigenen Prozessen. Das digitale Fundament war historisch: ein intern angepasster SAP-Shop, ein über zwanzig Jahre selbst entwickeltes PIM namens Levigo, viele schwierige Schnittstellen. Ensinger brauchte eine Architektur, die das vereinheitlicht und international trägt.
Was wir gebaut haben.
Smart Commerce hat zwei Mandate für Ensinger übernommen, zeitlich aufeinanderfolgend. Phase 1 in 2024: die Systemauswahl für den eCommerce. Phase 2 in 2025: die Systemauswahl für das neue PIM. Beide Mandate liefen nach derselben Methodik: Stakeholder-Interviews, Anforderungsmatrix, strukturierter Anbietervergleich, klare Entscheidung.
Phase 1, 2024: eCommerce-Systemauswahl.
Smart Commerce hat das Projekt von einem Vorgänger-Dienstleister übernommen. Zeitfenster: 14 Wochen für Übernahme, Konsolidierung und Auswahl. Das Smart Commerce Business Consulting hat zunächst alle bestehenden Vorarbeiten gesichtet, dann eine Workshop-Reihe aus Project Discovery und Product Scoping aufgesetzt. Sechs Teilprojekte wurden definiert und auf vier konsolidiert, darunter WebShop, Kundenportal und Individueller Zuschnitt. Aus den Workshops entstand eine Anforderungsmatrix: jede Systemeigenschaft auf einer Ordinalskala von 1 bis 5, jede mit einer Ensinger-Gewichtung versehen. Vier Plattformen kamen in die engere Auswahl: SAP Commerce Cloud, Intershop, commercetools, Spryker. Smart Commerce arbeitet mit allen vier. Die Bewertungen kamen von Software-Entwickler:innen, die täglich mit den Systemen arbeiten. Am Ende stand commercetools mit der höchsten Gesamtwertung.
Das besondere an der Anforderungsmatrix ist, dass sie die Einschätzung von eCommerce-Systemen quantifizierbar macht. Es gibt je Systemeigenschaft eine Ordinalskala (1-5). Zu jeder dieser Eigenschaften hat Ensinger eine Gewichtung angegeben. Am Ende waren wir in der Lage, pro Shopsystem eine in Zahlen bemessene Bewertung (Summe aus: Score je Systemeigenschaft * Gewichtung) abzugeben. Gewonnen hat das System mit der höchsten Gesamtzahl — commercetools.
Jana Haase, Head of Business Consulting, Smart Commerce SE
Phase 2, 2025: PIM-Modernisierung.
Mit commercetools im Shop war der nächste Schritt der Wechsel des PIM. Das Altsystem Levigo war zwanzig Jahre intern entwickelt worden. Funktional in Teilen tragend, technisch nicht mehr wartbar. Smart Commerce hat einen strukturierten Healthcheck aufgesetzt: sechs Stakeholder-Interviews, Datenpflegeprozesse in BPMN dokumentiert, Anforderungen und Prioritäten in Scorecards übersetzt, ein vorläufiges Produktdatenmodell aus den Daten-Exporten des Altsystems. Neun PIM-Anbieter wurden bewertet, darunter Akeneo, Stibo Systems, Contentserv, ATAMYA, Pimcore. Bewertungskriterien: Datenmanagement, Integration, Sicherheit, Flexibilität, Benutzerfreundlichkeit, Leistung, Kosten. Pimcore überzeugte in Anpassbarkeit, Entwickler:innen-Community und Preis-Leistungs-Verhältnis der Enterprise Edition. Die finale Entscheidung kommunizierte der interne Projektleiter Tim Hohaus.
Tech-Stack.
- commercetools
- Pimcore
- MACH-Architektur
- SAP D365
- BPMN
- Anforderungsmatrix
- Scorecards
Ensinger ist heute in der Implementierungsphase des PIM. Stammdaten werden in kleineren Arbeitsgruppen definiert, Datensilos systematisch aufbereitet, die Migration aus MS-Access-Strukturen läuft parallel. In den kommenden Monaten wird Pimcore sukzessive ausgerollt. Ensinger IT und Smart Commerce arbeiten weiter zusammen, jetzt in der Umsetzung dessen, was die zwei Auswahl-Phasen vorbereitet haben.
Sechs Stellen, an denen die Architektur trägt.
Klare Anforderungen, starke Leitlinien
Anforderungsmatrix mit Ordinalskala 1 bis 5, Ensinger-Gewichtung pro Eigenschaft. Anbietervergleich quantifiziert, nicht aus dem Bauch. Im PIM-Mandat erweitert um Scorecards und BPMN-Flussdiagramme.
Healthcheck vor Systemwechsel
Sechs Stakeholder-Interviews, Datenpflegeprozesse in BPMN dokumentiert, vorläufiges Produktdatenmodell aus den Exporten des Altsystems. Bestehende Systeme werden geprüft, bevor sie ersetzt werden.
Composable als Trägerschicht
commercetools im Shop, Pimcore in den Produktdaten. Beide MACH-konform. Module lassen sich austauschen und ergänzen.
Strukturierter Anbietervergleich
Vier eCommerce-Plattformen in Phase 1, neun PIM-Anbieter in Phase 2. Bewertet nach definierten Kriterien, nicht nach Hersteller-Pitch. Bewertungen von Software-Entwickler:innen, die täglich mit den Systemen arbeiten.
Single Source of Truth für Produktdaten
Pimcore ersetzt das zwanzig Jahre alte Eigenbau-PIM Levigo. Zentrale Datenpflege, Rechte- und Freigabeverwaltung für internationale Ländergesellschaften, automatisierte Ausleitung dynamischer Produktdatenblätter.
Methodik trägt von Phase zu Phase
Project Discovery, Product Scoping, Anforderungsmatrix funktionieren für die eCommerce-Auswahl 2024 und für die PIM-Auswahl 2025. Das Vorgehen ist wiederverwendbar.
Was in den zwei Phasen entstanden ist.
Projektumfang in Zahlen, keine Outcome-Werte.
Wie wir zusammenarbeiten.
Ensinger und Smart Commerce arbeiten seit 2024 in einem Modell, das beide Mandate getragen hat. Smart Commerce Business Consulting hat die Auswahl gestaltet, das Smart Commerce Entwicklungsteam hat die Umsetzung übernommen. Beide Phasen liefen nach derselben Methodik. Das macht es Ensinger leichter, die nächste Phase aufzusetzen, ohne von vorne anzufangen.
Was die Plattform für KI bedeutet.
- KI-Funktionen brauchen klare Anforderungen, nicht primär Modelle. Eine Anforderungsmatrix mit Ordinalskala und Gewichtung übersetzt sich direkt in KI-Use-Case-Auswahl. Welcher KI-Hebel trägt, welcher nicht. Welcher Anbieter passt, welcher nicht. Das Vorgehen ist dasselbe.
- KI braucht eine Single Source of Truth. Pimcore als zentrale Produktdatenbasis ist genau das Fundament, auf dem semantischer Produktdaten-Zugriff, Product Advisor und KI-gestützte Übersetzung aufsetzen. Ohne saubere Datenbasis bleibt jede KI-Funktion Demo.
- MACH ist die Trägerschicht für KI-Funktionen. commercetools und Pimcore geben KI-Modulen die API-Schnittstellen, an denen sie andocken. Semantische Suche, dynamische Empfehlungen, automatisierte Übersetzung lassen sich anschließen, ohne die Plattform neu zu bauen.
- Strukturierte Anbieterauswahl trägt sich weiter. Die Methodik aus Phase 1 und Phase 2 ist wiederverwendbar. Der nächste Healthcheck bei Ensinger kann ein KI-Tool-Vergleich sein, mit demselben Vorgehen.
Die ausführlichen Geschichten zu beiden Phasen, mit Methodik-Übersicht, Bewertungslogik und Architekturdiagrammen, liegen in den zwei Whitepapern.


