KI-Funktionen sitzen heute auf Plattformen. Wer eine Plattform mit KI baut oder eine bestehende KI-ready macht, braucht Plattformbau-Erfahrung. BOMAG hat uns in eine Plattform-Konsolidierung gesetzt. Heute trägt die Plattform den Ersatzteilvertrieb für 400 Standorte in 150 Ländern, mit Real-Time-Preisen aus SAP S/4HANA. Was wir dabei über ERP-Integration, Echtzeit-Performance und globalen Rollout lernen mussten, fließt in jede Plattform, die wir KI-ready bauen.
Diese Story ist keine KI-Story. Sie ist eine Plattform-Story. Sie steht hier, weil Plattform-Disziplin die Basis ist, auf der KI-Funktionen verlässlich laufen. Modelle sind austauschbar. Architektur entscheidet.
Ausgangslage.
BOMAG ist ein Hersteller von Verdichtungstechnik. Gegründet 1957 in Boppard, seit 2005 Teil der FAYAT Group. 2500 Mitarbeiter:innen, fünf Produktionsstandorte in Deutschland, Italien, USA, China und Indien. Zwölf Tochtergesellschaften und 400 Händler- und Vertriebsstandorte in 150 Ländern. Eine Milliarde Euro Umsatz in 2023. Neben der Maschinentechnik baut BOMAG digitale Innovationen für die Baustelle: BOMAP als Assistenzsystem, BOMAP Connect für Telematik, Konzepte für autonome Maschinen und alternative Antriebstechnologien.
Im digitalen Ersatzteilvertrieb hatte BOMAG zwei historisch getrennte Systeme: einen Shop für Händler, einen für Endkunden. Beide technologisch unterschiedlich aufgebaut, nicht skalierbar, nur lose integriert. Die Aufgabe: beide Systeme ablösen und in eine einzige Plattform zusammenführen. Mit ERP-Anbindung an SAP S/4HANA, kundenspezifischer Preisbildung, internationalen Strukturen und einem Vertriebsprozess von Produktauswahl bis Aftersales.
Was wir gebaut haben.
Smart Commerce hat gemeinsam mit BOMAG und Intershop eine Plattform auf Basis der Intershop Commerce Suite gebaut. Headless-Architektur, eigene PWA im Frontend, Nginx-API-Gateway als Bindeglied zwischen Frontend und Microservices. SAP S/4HANA liefert Preise und Verfügbarkeiten in Echtzeit. Informatica AddressDoctor übernimmt die internationale Adressvalidierung. SnapPay deckt den nordamerikanischen Markt (Kreditkarte und ACH). Globaler SSO leitet Nutzer:innen in den passenden Ländershop weiter, der Zugang ist als Closed Shop ausschließlich über Innendienst-Freigabe möglich. Soft Launch im Februar 2024, internationaler Rollout seit Mai 2024.
Tech-Stack.
- Intershop Commerce Suite als Backend
- SAP S/4HANA als ERP-System
- Headless mit eigener PWA im Frontend
- Nginx-API-Gateway zwischen Frontend und Microservices
- Microsoft Azure als Cloud-Plattform
- Informatica AddressDoctor für internationale Adressvalidierung
- SnapPay für Kreditkarte und ACH im nordamerikanischen Markt
Die Plattform bildet die Anforderungen des B2B-Ersatzteilgeschäfts ab. Order on Behalf lässt Einkäufer:innen Bestellungen für andere Organisationseinheiten ausführen, über Hierarchien hinweg, mit Berechtigungslogik. Decimal Quantity Support deckt Teilmengen ab: 1,2 m Kabel, 3,5 l Hydrauliköl, auch wenn das Standardprodukt im 5-Liter-Kanister kommt. Die Warenkorb-Kalkulation läuft zentral im ERP, inklusive Rabattlogiken und Promotion Codes; ICM übernimmt nur die Promotionlogik für rabattfähige Positionen. Live-Daten aus SAP S/4HANA liefern Preis und Verfügbarkeit schon beim Katalog-Browsen, ohne pauschale Aussagen oder manuelle Rückfragen. MyAccount bündelt Bestellverläufe, individuellen Maschinenbezug ('Meine Maschinen') und Service-Anfragen an einer Stelle.
Sechs Stellen, an denen die Architektur trägt.
Klare Anforderungen, starke Leitlinien
150 Länder, 12 Tochtergesellschaften, Closed Shop, Order on Behalf, Decimal Quantity, kundenspezifische Preisbildung. In dieser Komplexität trägt nicht jedes Standard-Modul. Anforderungen werden vorab in Module zerlegt, Eigenentwicklung kommt dort, wo Standard nicht reicht.
Composable als Plattformfundament
Intershop Commerce Suite als Backend, eigene PWA im Frontend, Nginx-Gateway, Microservices dahinter. Module sind austauschbar, neue Märkte, Sprachen und Partner lassen sich ergänzen.
ERP-Real-Time-Integration
SAP S/4HANA liefert Preise, Verfügbarkeiten und Lieferwege in Echtzeit. ICM übernimmt nur die Promotionlogik. Genau diese Echtzeit-Anbindung ermöglicht Aussagen über Lieferbarkeit und Preis schon beim Katalog-Browsen, ohne manuelle Rückfragen.
Closed Shop mit Berechtigungslogik
Zugang ausschließlich über Innendienst-Freigabe. Globaler SSO leitet in den passenden Ländershop. Order on Behalf läuft über Hierarchien, kontrolliert. Die Berechtigungslogik bildet ab, wie B2B-Einkauf in einer 150-Länder-Organisation tatsächlich abläuft.
Decimal Quantity und Maschinen-Self-Service
Teilmengen wie 1,2 m Kabel oder 3,5 l Hydrauliköl, auch bei Standard-Produkten in 5-Liter-Gebinden. MyAccount bündelt 'Meine Maschinen', Bestellverläufe und Service-Anfragen. Kund:innen erledigen im Self Service, was vorher manuelle Rückfrage war.
Globaler Rollout, stufenweise
Soft Launch im Februar 2024 für frühes Nutzerfeedback. Internationaler Rollout seit Mai 2024 in 150 Ländern. Das System geht den Wachstumsweg mit, ohne Rebuild.
Was die Plattform heute trägt.
Reichweite. 150 Länder, 12 Tochtergesellschaften, 400 Standorte auf einer Plattform.
Wie wir zusammenarbeiten.
BOMAG, Smart Commerce und Intershop arbeiten im Projekt als ein Team. Smart Commerce verantwortet Konzeption, Implementierung und Frontend. Intershop liefert die Commerce Suite als Backend und unterstützt mit Partner-Sparring. Der gestufte Rollout, erst Soft Launch, dann internationale Märkte, hat es ermöglicht, mit Nutzerfeedback zu optimieren, bevor die nächste Region live ging. Die Plattform entwickelt sich weiter, gemeinsam mit BOMAG IT.
Was die Plattform für KI bedeutet.
- 1ERP-Real-Time-Integration ist das Fundament für KI-Vorhersagen. Preise, Verfügbarkeiten und Lieferwege aus SAP S/4HANA in Echtzeit sind genau die Daten, die KI-Modelle für Empfehlungen, Forecasting und Bestandsoptimierung lesen müssen. Ohne Echtzeitanbindung bleibt jede KI-Funktion Demo.
- 2Telematikdaten und 'Meine Maschinen' sind die Andockstelle für Predictive Maintenance. BOMAP Connect liefert Maschinendaten von der Baustelle. Die Plattform verbindet sie mit Kundenkontext, Maschinenhistorie und Ersatzteilkatalog. Auf dieser Basis können KI-Modelle Bauteilverschleiß antizipieren und Ersatzteilbestellungen vorschlagen, bevor eine Maschine ausfällt.
- 3Closed Shops und Hierarchien sind die Berechtigungslogik für agentic commerce. Order on Behalf, kundenspezifische Preise, Innendienst-Freigaben. Genau diese Berechtigungsstrukturen muss ein KI-Agent verstehen, der für eine BOMAG-Kundenorga bestellt. Die Plattform liefert die Logik, an die ein Agent andocken kann.
- 4Headless-Architektur mit PWA und Nginx-Gateway gibt KI-Modulen die API-Schnittstellen. Semantische Suche im Ersatzteilkatalog, KI-gestützte Produktassistenz, multilinguale Übersetzung lassen sich anschließen, ohne die Plattform neu zu bauen.
Die ausführliche Geschichte mit Architekturdiagramm, allen Use Cases und der Integrations-Übersicht liegt im Whitepaper.

